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Tischlerei-Ausbildungswerkstatt "Felana" (Blatt)

1. Entstehungsgeschichte

"Felana" wurde im Dezember 1997 von "Zaza Faly", unter Leitung des madagassischen Ausbilders M. Theophile, eröffnet. Seit 1999 leitet die madagassische ONG "Manda" dieses Projekt in Eigenverantwortung.

Die Initiative für die Gründung einer Ausbildungs-Holzwerkstatt begann mit einem dreimonatigen Tischlereikurs bei der Organisation CENAM. An diesem Programm nahmen acht von unseren älteren Projektjungen teil. Da dieser Kurs sehr erfolgreich war, die Jungen sehr viel Spaß daran hatten und ihre Talente offenkundig wurden, entschlossen wir uns, eine eigene Holzwerkstatt aufzubauen.

Nach intensiver Suche haben wir ein kleines typisch madagassisches Haus angemietet, in welchem sowohl die Jungen als auch der Werkstattleiter Theophil mit seiner Familie wohnen. Die Tatsache, dass alle unter einem Dach zusammenleben, kommt der Sache sehr zugute, da so der Zusammenhalt untereinander gefördert und gestärkt wurde.

Mittlerweile gibt es neben dem Haupthaus ein separates Werkstattgebäude. Dies wurde nötig, weil der Platz in der unteren Etage für die ganzen Maschinen einfach nicht mehr ausreichte.

2. Ziele, Struktur und Ausbildungsergebnisse

Ziel dieser Ausbildung ist es, einer begrenzten Anzahl vom Straßenjungen, die auf dem madagassischen Arbeitsmarkt bestenfalls als ungelernte Hilfskräfte oder gar in der Kriminalität enden würden, die Möglichkeit zu einer beruflichen Ausbildung sowie selbständigen Arbeit zu geben.

Diese Werkstatt ist für maximal 10 ehemalige Projektjungen unserer Sozialstation konzipiert, deren persönliche Entwicklung wir seit einigen Jahren verfolgen konnten. Auf diese Art sollen kontinuierlich neue Jugendliche dieses Angebot in Anspruch nehmen können.

Die Entscheidung darüber, wer letztendlich für die Ausbildung in Frage kommt, wird von den Projektverantwortlichen im Anschluss eines gründlichen Auswahlverfahrens getroffen. Hauptkriterium hierbei ist die erkennbare Eigenmotivation der Jungen, diesen Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Wichtige Hinweise dafür sind vor allem sichtbare persönliche Entwicklungen im schulischen Bereich und sozialem Verhalten innerhalb des Projektrahmens der Sozialstation "Tsiry".

Einzelgespräche im Vorfeld sollen ebenfalls dazu beitragen, besonders motivierte Jungen für die anstehende Ausbildung herauszufiltern.

Nach Beendigung der Ausbildung ist "Manda"/"Zaza Faly" bei der Suche nach Wohn- und Arbeitsplätzen behilflich.

Die Jugendlichen erhalten während der zweijährigen Ausbildungszeit sowohl theoretischen (Mathematik, Madagassisch, Französisch, Aufklärung, Religion, Geografie), als auch praktischen Unterricht.

Praktische Erfahrungen sammeln die Auszubildenden vor allem durch die Bearbeitung von Aufträgen (u.a. Tische und Bänke für die Vorschule bei "Tsiry"), deren Erlöse direkt zur Refinanzierung des Projektes genutzt werden. Dies ist jedoch nicht das primäre Ziel, denn die Jungen befinden sich ja erst am Beginn ihrer Ausbildung, und daher sollten die Erwartungen, bzgl. Qualität der hergestellten Möbel betrifft, nicht zu hoch sein.

Für die Jungen ist das Erlernen theoretischer Kenntnisse zunächst ebenso elementar notwendig und deshalb ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildung. Des weiteren erhalten die Jungen ein Taschengeld in Höhe von 20.000 FMG (= ca. 0,80 €) pro Monat und einen Gewinnanteil an Auftragserlösen in Höhe von 10 %.

Glücklicherweise konnten wir feststellen, dass die Jugendlichen mit einer erstaunlich hohen Motivation und Ausdauer bei der Sache sind, was angesichts ihrer persönlichen Geschichte nicht selbstverständlich ist. So ist allein die Tatsache, dass sie knapp zwei Jahre diese Ausbildung wahrgenommen haben, ist als ein riesiger Erfolg anzusehen.

Die Stimmung in der Werkstatt ist gut, und die Jungs leben in einer funktionierenden Gemeinschaft. Sie haben gerade, was den mensch-lichen Umgang miteinander betrifft, in dieser Zeit sehr viel dazu gelernt. Bedenkt man, dass sie vor nicht allzu langer Zeit noch auf der Straße lebten, ist es schlicht weg ergreifend, wie sehr sie sich zum Positiven entwickelt haben.

Aus den ehemalig "wilden Straßenjungs" sind mittlerweile relativ verantwortungsvolle, lernmotivierte junge Männer geworden. Die Jungen sozial zu reintegrieren ist ja eine der Hauptaufgaben des Ausbildungs-projektes.

Seit Mitte des Jahres 2000 kam es erstmals zur allmählichen Aus-gliederung der Projektjungen, bei der wir ihnen erfolgreich bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche behilflich waren.

So wurden von den 26 Jugendlichen, die im Zeitraum von 1998-2004 bei "Felana" untergebracht wurden, immerhin 12 in feste Arbeitsverhältnisse integriert werden. 7 Jungs sichern ihren Lebensunterhalt mit gelegentlichen Aufträgen und anderen Arbeiten auf den Märkten. Mit 5 Jungs gibt es keinen direkten Kontakt mehr. Nur 2 haben sich weiterhin für ein Leben auf der Straße entschieden. Angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation (ca. 50 % Arbeitslosigkeit) und der Geschichte der Jungen, sehen wir dies als einen beachtlichen Erfolg an.

Seit Oktober 2004 absolvieren 8 weitere Jugendliche der Sozialstation ihre Ausbildung bei "Felana", welche sie im Herbst 2006 beenden werden.

3. Projektkosten

Die durchschnittlichen monatlichen Projektkosten schlüsseln sich wie folgt auf:

Nr.

Posten

Euro

1.

Miete

110,-

2.

Lohn

120,-

3.

Material

40,-

4.

Essen

110,-

5.

Strom/Wasser

30,-

6.

Transport

40,-

7.

Medizin

20,-

8.

Haushalt

25,-

9.

Reparaturen

10,-

10.

Taschengeld

15,-

Insgesamt

420,-



Links zum Thema:

Video über Zaza Faly (ZDF) (12,6 MB)

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Broschüre - Arbeits- und Wohnsituation
2000-2004 (PDF)
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