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Heiko Jungnitz berichtet von seinen ersten Eindrücken in Madagaskar

...Tana, 08. September 2006

Tagebuchbericht 16Heute war mein letzter arbeitstag bei "manda" nach drei wochen evaluation, die mich gemeinsam mit sara durch viele gespräche, taxifahrten, an uns herumturnende kinder, gerüche, hundegebell, computerchaos, magen-darm-problemchen, marktgewusel und unzählige "vazaha"-rufe begleitet hat.
Am 23.8. sind wir von einer 60-köpfigen projektdelegation lautstark am flughafen mit jubel und geschrei empfangen und auf den boden der roten erde zurückgeholt worden.
Nach für mich fast vier jahren. In einem gemisch aus heimat und fremde, wohl bekanntem und doch immer wieder neuem.
Ich habe gebraucht, bis mein kopf auch hier war. Hier, wo sich bereits vier mal zuvor unzählige geschichten eingebrannt haben. Wo kinder kamen und gingen, wo kinder blieben und erwachsen wurden, wo ich selbst wuchs und immer wieder kam.
Es ist schwer gewesen mich dem allem neu zu stellen und den draht zu finden, der alles verknüpft, der alles schlüssig macht und mir zeigt, das ich hier auch hergehöre.
Es hat ein paar tage gedauert, dann war ich wirklich hier.
Die größte hilfe waren dabei immer noch und immer wieder die kinder – diese unglaublichen lebensbündel, die eine solche energie ausstrahlen, dass es mich noch immer sprachlos werden läßt.
All die einzel- team- und behördengespräche – meine eigentliche arbeit hier – sind wichtig und gut gewesen. Und vor allem gut gelaufen. Doch sie stehen in keinem verhältnis zu dem, was die kinder mit ihrem entwaffnenden lachen, ihrem veränderungswillen, ihrer lebenslust bewirken.
Es ist unfassbar, wenn man sich abends in "anosybe" auf die suche nach ihnen macht. In einem teil der stadt, wo man die armut mit händen greifen und mit jeder faser einatmen kann. Und dann kommen sie angerannt mit einem juchzendem geschrei. Mit salti und kungfu-sprüngen. Zeigen einem "ihr" zu hause, wie wenn man besuch bekommt. Zeigen mit stolz geschwällter brust ihren schlafplatz im mittelstreifen einer hauptverkehrsstrasse und legen sich so zum spass "probe" hin, kuscheln sich aneinander, wie sie es in der nacht tun und bitten um ein foto - ohne einen anflug von traurigkeit. Einem selbst drückt es die kehle zu bei dem anblick.
Und dann kommen die bilder, wie die gleichen kinder von Montag bis Freitag acht stunden in der projektschule sitzen, um ihren ersten staatlich diplomierten schulabschluß zu bekommen. Wo sie so unendlich stolz sind auf ihre neuen schulhefte und -ranzen, die sie seit heute auch auf ihr ausdrückliches drängen hin mit nach "hause" nehmen dürfen, um aller welt zu zeigen, dass sie sind wie die anderen kinder in ihrem alter, und kein nutzloser dreck, für den sie noch immer oft genug gehalten werden.

um diese momente wieder erleben zu dürfen, dafür bin ich hier und komme immer wieder her. Das weiß ich jetzt wieder.

Vielen dank dafür...
Heiko




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