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Bericht Köhlerbesuch von Nicole Goethel (Praktikantin)

Da wir schon alle Hoffnungen aufgegeben hatten, doch noch in das Programm des Präsidentenbesuches aufgenommen zu werden, war die Freude am 17.02. umso größer, als ein Anruf der Deutschen Botschaft uns aufforderte, sofort vorbeizukommen, da sich die Gattin des Bundes-präsidenten, Frau Eva Luise Köhler, nun doch entschlossen hatte, unser Projekt in Begleitung der madagassischen First Lady Lalao Ravalomanana besuchen zu wollen.
Die Wochen der Vorbereitungen begannen.
Das Projekt wurde auf Vordermann gebracht, mit allen Kindern deutsche und madagassische Lieder eingeübt, hunderte von Nationalflaggen, Rasseln sowie unzählige bunte Girlanden gebastelt und Kuchen gebacken.
Jedoch gab es nicht nur inhaltlich viel zu tun, sondern es mussten auch organisatorisch unheimlich viele Dinge bedacht werden. Da unser Projekt inmitten eines madagassischen Viertels liegt und daher die Zufahrts-möglichkeiten nur sehr eingeschränkt sind, musste improvisiert und die anliegenden Grundstücke als Parkplätze mit eingebunden werden. Schon Tage vorher besuchten die jeweiligen Assistenten der Präsidentengattinnen sowohl der verschiedenen Minister das Projekt, um sich über die Sicherheits-bedingungen eingenaues Bild zu machen.
Dabei traten kurzfristig ungeahnte kleine Probleme auf, die spontan gelöst werden mussten: dort eine Stolperfalle, da die Tür zu klein, wer steht neben wem beim Empfang. Es wurde der Eingang vergrößert, Türen ausgehangen und frisch gestrichen, um den Ansprüchen gerecht zu werden.
Alle Namen der Kinder sowie des Personals mussten notiert sowie das Geschenk, was den beiden Damen überreicht werden sollte, inspiziert werden. Der gesamte Ablauf wurde auf die Minute eingeteilt und durchgeprobt. Aus Sicherheitsgründen musste leider der Besuch der Weberei VONY ausfallen, da der Fußweg zum Ausbildungsprojekt nicht abgesichert werden konnte. Jedoch wurde spontan mit Hilfe Frau Frühinsfeld und deren Mann ein kleines Video gedreht, was später den beiden First Ladys vorgespielt wurde.
Endlich war er da der große Tag. Schon früh am Morgen spürte man die Aufregung bei allen Anwesenden. Wurde auch wirklich nichts bei den Vorbereitungen übersehen? Wie werden sie wohl sein – die beiden Damen?
Obwohl bis Mittag noch das normale Projektprogramm stattfinden sollte, waren wohl alle in Gedanken woanders. So sehr man versuchte, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren, so gelang dies weder den Kindern noch allen Angestellten.
In der Zwischenzeit schmückten die Praktikantinnen das Projekt. Der Eingang wurde mit Blumen gesäumt, Girlanden mit madagassischen Motiven angebracht und große Willkommensbanner in den madagassischen und deutschen Nationalfarben aufgehängt. Die Köchin übertrumpfte sich selbst mit ihrem Buffet, was sowohl aus gekauften als auch von den Kindern zubereiteten Köstlichkeiten bestand.
Nach eiligem Mittagessen begann das große Durcheinander. Jeder schlüpfte in seine mitgebrachte Abendgarderobe, es wurde gekämmt, geschminkt und gefönt, so dass manch einer kaum noch wieder zu erkennen war. Immer mehr Kinder strömten ins Projekt, die, in Reih und Glied gestellt, einer nach dem anderen in die noch vorher gedruckten ONG Manda-T-Shirts gesteckt wurden. Keine leichte Aufgabe bei knapp 300 Kindern, insbesondere da anschließend auch noch alle selbst gebastelten Fahnen und Rasseln verteilt werden mussten.
Alle waren da: die "Tsiry"-Mädchen- und Jungen, "Vony", "Felana" sowohl alle bereits eingeschulten ehemaligen Projektkinder.
Vor dem Projekthaus begann sich nun auch langsam das gesamte Viertel zu versammeln. Jede noch so kleine Ecke wurde ausgefüllt: auf Mauern, Zäunen oder Dächern – niemand wollte sich dieses große Ereignis entgehen lassen. Das führte unsererseits bereits zu kleinen Panikattacken, schließlich sollten auch noch über zehn Autos irgendwo Platz finden. Dahin war der schön ausgeklügelte Plan. Doch wären wir nicht in Madagaskar, hätte es dann doch nicht irgendwie funktioniert.
Das große Warten begann.
Während einer der Wächter die Kinder bei Laune hielt, posierte sich das Personal am Eingang, um den beiden Ladys sowohl den Delegierten einen gebührenden Empfang zu bereiten. Endlich war es soweit. Ein Auto nach dem anderen kam vorgefahren. Die Türen öffneten sich und die beiden First Ladys betraten in Begleitung von über 30 madagassischen und deutschen Abgeordneten, Minister, Delegierten, Botschaftern und Journalisten das Projekt.
Ab da verlief die Zeit wie im Flug. Natürlich lief - typisch madagassisch - wenig nach dem vorher minutiös ausgeklügelten Plan und doch funktionierte trotz des chaotischen Durcheinanders alles prächtig.
Nach einem madagassischen Willkommenslied der Kinder hielt die Leiterin Mandas eine kurze Willkommensrede, in der sie u. a. kurz die Entstehungs-geschichte Mandas, Zaza Faly e.V. sowie deren Struktur und Ziele vorstellte. Anschließend wurden den beiden Damen von zwei Vonymädchen im Projekt angefertigte Geschenke überreicht, was begleitet wurde von einem madagassischen Dankeslied, welches in beiden Sprachen von den Kindern gesungen wurde.
Daraufhin hielten beide First Ladys kurze Ansprachen zu den Kindern, in denen sie u. a. die Wichtigkeit von Bildung betonten und ihre Anerkennung für die Arbeit Mandas aussprachen. Um dies zu unterstreichen, übergab Frau Köhler dem Projekt eine Spende von 750,- Euro, welcher eine Woche später noch 4500 Dollar und 1400 Euro, die von der Wirtschaftsdelegation gesammelt wurden, folgten.

Anschließend erfolgte der Projektrundgang in zwei Gruppen, in welchem die Angebote Mandas noch einmal ausführlich erklärt wurden. Zwei gleichgroße Gruppen aufzustellen war jedoch schier unmöglich, da sich überall kleine Gruppen zu einem Schwätzchen zusammen fanden.
Das Interesse an unsere Projektarbeit war unglaublich groß, so dass wir alle Hände voll zu tun hatten, jede Frage zu voller Zufriedenheit zu beantworten. Während die Leiterin die beiden First Ladys und deren Begleiter durch das Projekt führte, kümmerten sich die beiden Praktikantinnen sowie die Sozialassistentin um die restlichen Besucher.
Oben angekommen, bot sich bei dem Buffet die Möglichkeit sich weiter auszutauschen und tiefergehende Fragen zu stellen. Nebenbei wurde der kleine Videoclip von Vony auf einer Leinwand vorgeführt, welcher den beiden Damen von der Leiterin sowie einer Praktikantin ausführlich erläutert wurde. Insbesondere das Interesse Frau Köhlers war deutlich spürbar, stellte sie doch unzählige weiterführende Fragen zur sozialen Situation in Madagaskar, der Armutsentwicklung sowie zu den Hintergründen und Folgen der Straßenkindexistenz.

Bevor es dann zu dem Ausbildungsprojekt Felana weiterging, bot sich den Vonymädchen noch die Möglichkeit, sich mit den, die deutsche Delegation begleitenden, deutschen Schüler sowie den beiden Damen auszutauschen. Zu Beginn noch recht eingeschüchtert, lockerte sich dann, auch durch die Hilfe Frau Köhlers, die Atmosphäre und es wurden sich gegenseitig viele Fragen gestellt über ihre Arbeit, das Leben in Deutschland und über Zukunftsträume.
Da der Besuch der Sozialstation schon viel länger gedauert hat als geplant und daher die Zeit drängte, viel die Verabschiedung zwar hastig, jedoch sehr herzlich mit vielen ermutigenden Worten seitens der First Ladys aus.
Viele der Delegierten verabschiedeten sich noch persönlich per Händeschütteln bei den Kindern, was deren Begeisterung natürlich nur noch steigerte und so der Besuch mit ohrenbetäubendem Geschrei und Fahnenschwenken verabschiedet wurde.
Letzte Etappe des 90minütigen Besuches war die Holzwerkstatt Felana, die sich in einem etwas entfernt liegendem Viertel befindet. Auch dort dasselbe Bild: niemand der Anwohner wollte sich diesen hohen Besuch entgehend lassen. Wann hat man sonst schon einmal solches Aufgebot an Sicherheitskräften und Polizei im eigenen Viertel gesehen?
Da wir, die Leiterin sowie die beiden Praktikantinnen, als letzte von der Sozialstation gestartet sind, kamen wir gerade noch rechtzeitig an, um die Ansprache des Ausbilders Theophil von Felana mitzuerleben. Zu aller Überraschung überreichte Frau Köhler den Jungen daraufhin noch unzählige Baseballkappen sowie Fußball-Trikots, die nun von allen mit vollem Stolz getragen werden.
Ja und irgendwie war dann auf einmal alles vorbei und allen stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, dass der Besuch so einwandfrei von statten gegangen ist.
Wer hätte je davon geträumt, einmal den beiden Damen ins Gesicht zu sehen? Wer hätte je davon geträumt, dass Manda und auch Zaza Faly e.V. jemals solche öffentliche Anerkennung erlangen?
Manda ist seitdem bekannt wie nie zuvor: jeder hat davon gelesen, jeder hat uns im Fernsehen gesehen.
Ist das nicht das schönste Dankeschön für die jahrelange Arbeit, die alle Beteiligten stets geleistet haben und noch immer leisten? Ist das nicht der beste Ansporn, immer weiter zu machen und alles dafür zu tun, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen?
Der Besuch war für alle ein großer Erfolg und wir danken allen dafür, die dazu beitragen, das Manda und Zaza Faly e.V. noch immer bestehen und weiter für die Straßenkinder Antananarivos eine Anlaufstelle bilden können.




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