Fahrtbericht von Nepomuk Wahl vom 2.März
2004

Felana macht Urlaub an der Ostküste Madagaskars
- Vom 24. bis 29. Februar haben die neun Jungs von Felana Urlaub
an der Ostküste gemacht. Als Begleitung fuhren mit: der Ausbilder
Theophile, seine ebenfalls bei Felana lebenden Schwestern, seine
Frau Mme Eudoxie, ihre drei Kinder sowie die Praktikanten der Manda
Pamela und Nepomuk. Außerdem wurden wir für einige Tage
von Uwe Marschall mit seinem Patenkind Romuald begleitet. Insgesamt
also 17 Personen trafen sich am Dienstag Abend, den 24. Februar.
Theophile hatte für wenig Geld einen "Bus-Speciale" organisiert,
der uns mit zwei Chauffeuren an alle Ziele und zurück bringen
sollte.
Als wir dann losgefahren sind, hat es so stark angefangen zu regnen, wie
es trotz der Regenzeit nur selten passiert. Dieser Regen hat uns auch die
ganze Nacht über auf unserer Fahrt über Tamatave nach Foulpointe
begleitet. Unser knallgelber Iveco-Bus war nicht mehr der jüngste und
hatte mehrere undichte Stellen. Der sonst so begehrte, da komfortable Platz
neben dem Fahrer wurde von Uwe schnell wieder geräumt. Die Straße
war weitestgehend in einem guten Zustand, so dass wir für madagassische
Verhältnisse schnell vorangekommen sind. Vom Hochland zur Küste
hin ändert sich die Landschaft von trockenen, gerodeten, sich weit über
das Land erstreckende Hügeln zu einer flacheren tropischen Landschaft.
An der Küste wachsen Kokosnusspalmen und Ravenalas, wie in Deutschland
die Kiefern. Als wir früh morgens um eine der vielen Kurven biegen öffnet
sich vor uns der Indische Ozean. Für einige der Jungs das erste mal,
dass sie das Meer sehen. So viel Wasser!

Wir hatten die große Hafenstadt Tamatave längst hinter
uns gelassen und brausten an der Küste entlang dem kleinen
Badeort Foulpointe entgegen. Dort kamen wir früh morgens
gegen 7 Uhr an. Da wir kein Hotel gebucht hatten, schwärmten
wir nun also erst einmal aus, um eine Unterkunft zu finden. Da
das Budget knapp berechnet worden war (ca. 33 Cent/Junge/Nacht
und es gibt dort Bungalows, die 19 € kosten!) war es uns
zunächst nicht möglich eine geeignetes "hotely
gasy" zu finden. Letztendlich entschieden wir uns dann für
ein noch relativ preisgünstiges Haus direkt am Strand mit
vier Zimmern. Dieses Haus, die Lage, der Strand und das Wetter:
Alles war wunderbar! Freudig stürzten sich die Jungs ins
warme, kristallklare Wasser. Keiner von ihnen, auch Theophile
nicht, konnte schwimmen. Da das Meer hier aber sehr flach ist,
wurde nach Herzenslust geplanscht, schwimmen geübt oder
einfach in der lauwarmen "Brühe" gefaulenzt. Außerdem
haben wir uns die Zeit mit Fußball spielen, Frisbee werfen
oder Kokosnuss trinken vertrieben. 
Wurde man des Wassers überdrüssig, ist man zurück ins Haus
und hat von dort einen Spaziergang in das Dorf unternommen und entweder Eis
oder "Sipas" = Mädchen gesucht. Am Abend hatte Uwe dann noch ein
UNO-Kartenspiel ausgepackt und es wurde bis Mitternacht gespielt.
Am Donnerstag morgen sind wir nach Mahambo aufgebrochen. Mahambo
ist ein kleiner Ort nur wenige Kilometer nördlich von Foulpointe
gelegen und noch ein wirklicher Geheimtipp. Nur wenige Urlaubsgäste
verirren sich hierher und so ist die Gegend noch fast unberührt.
Die Palmen ragen über den Strand und spenden so Schatten vor
der prallen Sonne. Zusätzlich bietet das Meer hier noch einen
kleinen Korallenriff, der es uns erlaubte viele bunte Fische und
in Ritzen verborgene Seeigel zu beobachten. Dabei wussten die Jungs
noch nicht einmal, wie man schnorchelt. Allerdings haben sie auch
das schnell gelernt, nachdem sie wussten, wie man sich ins Wasser
legt ohne unterzugehen. Schnell verging die Zeit und so sind wir
Nachmittags völlig erschöpft vom Rumtollen und der sengenden
Hitze zurück nach Foulpointe.
Obwohl wir für madagassische Verhältnisse spät ins Bett sind,
waren die Jungs am Freitag schon früh morgens wieder wach. Ein letztes
mal wurde gebadet, eine der am Strand liegenden Pirogen (Einbäume) "geklaut" und
damit aufs Meer gestakt. Von Foulpointe aus sind wir weiter in den Norden in
das etwa 100 km entfernte Soanierana-Ivongo gefahren. Dies war der nördlichste
Punkt unserer Reise und etwa 550 km von Antananarivo entfernt. Dort fanden
wir in einer Schreinerausbildungsstätte Unterkunft, in der für jeden
Jungen ein eigenes Bett bereit stand! Normalerweise müssen sich diese
zu dritt in eines drängeln, man stelle sich also vor, welchen Komfort
diese Unterkunft für die Jungs bedeutete. Da wir erst spät Abends
ankamen, haben wir nichts mehr unternommen und den Tag mit UNO-spielen und
spazieren gehen ruhig ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen haben wir dann eine kleine Plantage besichtigt, auf
der uns Mme Eudoxie noch grüne Vanilleschoten und Kaffeebäume zeigte.
Natürlich gab es auch in Soanierana-Ivongo einen Strand, der nur das Beste
bot: Ein Meer mit Wellen, in die man sich hinein stürzen konnte und einen
flachen, ruhigen Fluss, der in das Meer führte. In diesen lauwarmen Fluss
konnte man sich gemütlich hinein legen und das Wasser an einem vorbei
streichen lassen oder sich per Salto in das Wasser stürzen. Am Nachmittag
sind wir dann wieder in den Bus gestiegen und nach Tamatave gefahren.
Dort angekommen war es nur noch möglich ein Hotel für Mme Eudoxie
mit ihren Kindern zu finden. Wir, Chauffeure, Jungs und Praktikanten, waren
dazu "verdammt" die Nacht durchzumachen, bzw. im Bus zu schlafen. Den
Jungs kam das nicht ungelegen, denn schließlich wollten sie doch unbedingt
noch einmal in eine Disco gehen und Sipas suchen... Pamela und ich waren allerdings
schon so müde, dass wir noch eine Kokusnuss getrunken haben und dann versucht
haben zu schlafen. Bei mir hat's gut geklappt, bei Pamela weniger. Bis bei
Sonnenaufgang die ersten Jogger auftauchten, hat sie doch noch mit den Jungs
vor dem Bus die Nacht in Tamatave genossen.
So haben wir dann am nächsten Morgen allesamt völlig übernächtigt
die Heimreise nach Antananarivo angetreten. Im Schneckentempo ist unser Bus
die 1.300 m in das bergige Hochland zurück gekrochen. In Tana hat uns
dann gleich der Prasselregen empfangen mit dem Tana sechs Tage zuvor verlassen
hatten. Für fünf Tage waren wir im Paradies und nehmen jetzt erschöpft
vom vielen Faulenzen aber gut erholt unsere Arbeit wieder auf!
Ich möchte ganz herzlich im Namen aller Urlauber bei Sybille
Melzer und ihrem Spenderkreis bedanken. Mit dem Geld, das sie zusammengetragen
haben, war es uns möglich die gesamte Fahrt zu finanzieren.
Nepomuk Wahl, Praktikant
Dienstag, 2. März 2004
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