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Tagebuchauszug von Heiko Jungnitz

Antananarivo, den 18. März 2001


Am Sonntag Abend mal wieder ein Gruß von mir vom anderen Ende der Welt, in der es langsam wieder etwas ruhiger wird, nachdem sie tagsüber stetsgefüllt ist vom Geschrei der sich bewegenden Menschenmassen undBlechlawinen.

Man findet hier selten seine Ruhe, geniest sie aber umso mehr, wenn siesich, und sei es nur für einige Momente, dann doch noch irgendwann einstellt.

Dieses Wochenende habe ich zusammen mit Anke und Birgit (bd. Praktikantinnen) sowie den Kinder der Ausbildungswerkstätte samt MitarbeiterInnen außerhalb von Tana auf dem Gelände einer Schule verbracht. Mal wieder ein "fitsangatsangana kely" - ein kleiner Ausflug also. Einer von so vielen in den mittlerweile fünf Jahren, als ich zu ersten Mal einen Fuß auf diese eigentümliche Insel gesetzt habe.

Alles scheint so vertraut und doch immer wieder auf`s Neue anders. Es bedarf eigentlich nur eines Fußballs und eines Recorders und die Kids sind für den Rest der Zeit beschäftigt. Sie toben wild durcheinander, tollen herum und schlagen sich, daß einem manchmal Himmel, Angst und Bange werden könnte, wüßte man nicht, wen man vor sich hat.

Das gehört alles zum Spiel. Kein Grund zur Unruhe. Sie gehen eben so miteinander um. Die blauen Flecken halten sie locker aus - weit und breit keine Wehleidigkeit. Da gibt es weit Schlimmeres als das.

Nein, nein, die Kinder sind glücklich, das sieht man ihnen an. Manchmal frage ich mich, ob sie sich noch an die Zeiten erinnern können/ wollen, in denen sie nachts bei heftigen Regenfällen oder trockener Kälte zusammengekauert an allen möglichen Plätzen der Stadt übernachteten, in der Hoffnung, daß der nächste Morgen eine bessere Zukunft bringen möge.

Diese Gedanken kommen mir, während ich in meinem Zimmer sitze und mir alte Projektfotos anschaue, die ich hier gefunden habe. Auf vielen Bildern habeich Kinder wiedererkannt, mit denen ich die letzten drei Tage verbrachte und mir klar wurde, daß dies nicht mehr die gleichen Geschöpfe sind. Das sie sich entwickelt haben, daß sie ihre Chance am Schopfe gepackt haben,
ein Leben jenseits der Straße zu führen.
Und ich bin froh, wieder hier zu sein, um für ein paar Wochen diesen -ihren - Weg zu begeleiten.



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