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Bericht von Birgit Edlefsen

(seit 2.2001 Praktikantin bei "Manda")

Heute ist der 2.Mai. es ist ein überraschend windiger Tag. In Tana kündigt sich der Winter an.
Drei Monate bin ich mittlerweile auf dieser fernen Insel inmitten des Indischen Ozeans und versuche tatkräftig und so gut wie möglich dem Projekt meine Dienste zu leisten. Die Arbeit bereitet mir seit Beginn meines Aufenthaltes sehr viel Spaß. Ich fühle mich wohl.
Natürlich ist es nicht immer einfach und auch bei mir dauerte es seine Zeit mich an dieses Land und dessen Menschen, das Leben, den Arbeitsalltag und vor allem die Situation der Kinder zu gewöhnen. Doch alles in allem kann ich behaupten, daß es mir relativ leicht fiel.
Dafür kann ich mich, so denke ich, bei meinen ähnlichen Erfahrungen in Argentinien, wo ich ein Jahr lebte und ebenfalls im sozialen Bereich arbeitete, bedanken.
Mein erster Monat wurde sehr von der bevorstehenden Theateraufführung unter Ankes Leitung geprägt. Vielzählige Vorbereitungen mußten getroffen werden, wobei ich Anke etwas zur Seite stehen konnte.
Das Theaterstück war ein großer Erfolg und ich bin sehr froh dabei gewesen zu sein.
Ansonsten ließ ich vorerst das Projekt, die Mitarbeiter und die Kinder auf mich wirken und versuchte dabei herauszufinden, welche Bereiche und Arbeitsaufgaben für mich in Frage kommen und wie diese umgesetzt werden könnten.
Letztendlich war es mir möglich, mich bei folgenden Aktivitäten nützlich zu machen:
- die Akten bzw. Fragebögen über die einzelnen Kinder, sowie Entwicklungsberichte der Felana- und Vony-Kinder mußten weitergeführt werden;
- die Projektapotheke mußte mal wieder auf Fordermann gebracht werden;
- die produktbroschüren von vony und felana mußten fertiggestellt werden;
- das teilnehmen an offiziellen versammlungen;
- das Besuchen von anderen Sozialprojekten, um zum einen Kontakte zu pflegen und zum anderen die bestehenden Angebote in diesem Bereich kennenzulernen. Dafür bin ich besonders dankbar, da die Besuche stets sehr ergiebig und lehrreich waren);
- Gestaltung des Nachmittagsprogramms;
Mein persönliches Highlight stellt jedoch mein Tanzunterricht mit den Vony-mädchen dar.
Da ich selber schon seit 17 Jahren Tanzunterricht erhalte und auch selber unterrichte, habe ich mir gewünscht, diese Fähigkeit von mir auch hier einbringen zu können, weil es mir einfach unwahrscheinlich viel bedeutet. Zweimal wöchentlich tanzen wir miteinander, in Form eines kleines Programmes, wobei ich dabei besonders auf grundlegende Elemente, wie Körperhaltung, Koordination, u.ä. eingehe.
Es bereitet mir sehr viel Spaß und es ist interessant zu erleben, wie sich die Mädchen dabei entwickeln und verhalten. Darüber hinaus kann ich auch etwas über den madagasischen Tanzstil lernen.
Was mich jedoch am meisten dabei freut ist, daß man ohne viel Worte eine persönliche und nette Beziehung zu den Mädchen aufbauen kann.
Im allgemeinen stellt nämlich die fehlende Kommunikation mit den Kindern meine einzige Unzufriedenheit dar. Meine bisher noch sehr begrenzten Madagasischkenntnisse lassen eine unsichtbare Mauer zwischen den Kindern und mir existieren. Schade,aber darauf war man ja im Prinzip vorbereitet.
Erwähnenswert ist, daß ich während meinen ersten beiden Monaten das Glück hatte, Uwe Marschall kennenzulernen, mit dem es immer sehr interessant war, Gespräche zu führen, da er über unzählige Madagaskarerfahrungen verfügt und, was das Projekt angeht, sozusagen ein "alter Hase" ist. So erfuhr ich viel Hintergrundinformationen über die Geschichte des Projekts und über Madagaskar selbst.
Auch Heiko Jungnitz konnte ich vor Ort erleben, während der Zeit der Projektkontrolle, was ebenfalls sehr interessant für mich war.
Der anschließende Monat April galt als mein offizeller Reisemonat. Es war eine wunderschöne Zeit und unwahrscheinlich beeindruckend die unzähligen Gesichter Madagaskars kennenzulernen.
Äußerst bestürzt bin ich jedoch über die verheerende Umweltzerstörung der doch eigentlich so ergiebigen und rohstoffreichen Natur und Umwelt des Landes.
Auch in politischer Hinsicht fällt es mir schwer, das Vorgehen und Handeln der madagasischen Machtelite nachzuvollziehen, wobei traurigerweise wie immer die Basis den Kürzeren zieht.

Von der Projektarbeit einmal abgesehen, ergab sich noch der nette Zufall, bei einem Rossy-Oster-Konzert in Mahajunga dabeizusein (Rossy zählt zu den berühmtesten Musikern des Landes), wobei Anke und ich dabei als Tänzerinnen engagiert worden sind. Dazu kam es, weil wir bei dem Rossykonzert in Tana, wo wir mit den Kindern eingeladen wurden, bei einem Pausen-Tanz-Contest mitmachten und erstaunlich gut dabei abschnitten. Mittlerweile befinde ich mich also wieder den zweiten Tag im Projekt und beginne sozusagen meinen zweiten Abschnitt.
Wie immer gibt es genug zu tun, worüber ich mich freue. So hat man das Gefühl, daß die Entscheidung, einen winzigen, aber doch sehr prägenden Teil seines lebens in Madagaskar zu verleben, richtig war.
Abschließend wünsche ich mir von Herzen, daß meine verbleibendenden monate ebenso positiv weiterverlaufen, wie meine bisherige Zeit.
Liebste Grüße aus dem verwundernden Madagaskar, Birgit Edlefsen.



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