Erlebnisbericht von Nepomuk Wahl
21. Dezember
2003 - Antananarivo/Madagaskar
Wir haben schon Weihnachten gefeiert! Am 18.12. fand bei "Manda" mit
allen Kindern von "Tsiry", "Vony" und "Felana",
sowie dem Personal die Weihnachtsfeier statt.
Nachdem schon seit einigen Wochen auch in Tana nicht mehr zu übersehen war,
dass Weihnachten näher rückt - Plastik-Weihnachtsmannmasken, Plastikweihnachtsbäume
und Unmengen an Plastikspielzeug gab es auf den Straßen zu kaufen - haben
wir es bei "Manda" spätestens am Mittwoch, den 17. Dezember auch
bemerkt. In die kleine Vorschule, eine Garage in die normalerweise ein Auto oder
30 kleine Fratze gut reinpassen, zwängten sich 51 Jungs. Ich hatte das Gefühl,
dass vor allem die, die nicht regelmäßig die Sozialstation besuchen,
noch einmal zeigen wollten, dass sie auch wirklich da sind, so dass man sie bei
der Geschenkverteilung nicht vergisst.
Am Donnerstagmorgen, dem 18.12., fanden sich bereits gegen sieben Uhr die ersten
Kinder vom "Analakely"- Markt in der Sozialstation ein. Das ist eigentlich
nichts Besonderes, da öfters einige schon gegen 7 Uhr auftauchen, um zu
spielen und sich und ihre Wäsche zu waschen. Gegen 8 Uhr, der eigentlichen Öffnungszeit
des Projekts, war dann aber zu bemerken, dass es ein besonderer Tag für
die Kinder werden sollte. Fast alle Jungs und Mädchen waren gekommen, um
zusammen Weihnachten zu feiern, so dass "Tsiry" voll und laut war wie
nur selten. Zusammen mit den Jugendlichen von "Vony" und "Felana" zählten
wir gut 170 Kinder.
Das erste Highlight war Jérôme mit seiner madagassischen Clown-
und Jongliergruppe. In Tana habe ich noch nie einen Madagassen jonglieren oder
Kunststücke mit dem Diabolo vorführen sehen. So war es bestimmt auch
für viele unserer Kinder das erste Mal, dass sie jemanden drei fliegende
Bälle dirigieren oder brennende Keulen durch die Luft wirbeln sahen. Auch
ich habe gezeigt, was ich kann, brennende Ketten durch die Luft wirbelnd. Die
Show wurde von den Kindern mit vielen "Ahhs", ""Ohhs" und "Uhhs" begeleitet
und nur das Feuer vermochte sie, neugierig wie sie sind, zurück zu drängen.
Je weiter der Morgen voranschritt, desto aufgeregter wurden die Kinder und umso
aufgeladener die Stimmung. Straßenkinder sind halt nicht ganz so lieb,
wie man es gern hätte. Gut, dass es dann endlich das lang ersehnte Essen
gab: Würstchen, Bohnen, Saft und natürlich einen riesigen Berg Reis,
der diesmal so groß war, dass ihn die Kleinen gar nicht aufzuessen vermochten.
Die eigentliche Feier fand nicht bei "Manda", sondern in der nur wenige
Meter entfernten Schule "Centre Espoir" statt. Wir durften dort im
großen Saal mit ausreichend Platz und einer Bühne unsere Feier abhalten.
Das Programm war sehr vielfältig, fast alle "Manda"- Kinder waren
auf der Bühne und haben gezeigt, was sie neben dem Alphabet und Mathematik
noch gelernt haben.
Eröffnet wurde das Fest von den "Vony"- Mädchen und ihrer
Choreographie zu Robbie Williams' Song "Supreme". Im Folgenden führten
sie das Krippenspiel und einen Tanz auf. Diesmal zu ihrer favorisierten madagassischen
Popgruppe "Tempo Gaigy". Das Highlight für fünf der Mädchen
war dann der Empfang ihrer Ausbildungsbescheinigung. Sie haben ihre Ausbildung
beendet und wurden auf der Bühne offiziell und feierlich verabschiedet.
Der "Tsiry"- und "Felana"- Block begann mit den ganz Kleinen.
Auf Pamelas Anregung hin hatten die regelmäßig kommenden rund 40 Jungs
und 30 Mädchen der Vorschule den Pata-Pata-Tanz einstudiert und drängelten
sich nun alle auf die kleine Bühne. Als nächstes zeigten einige "Tsiry" und- "Felana"-
Jungs ihre Version vom Krippenspiel. Als sich Maria (Ex-"Vony" Tantely)
und Josef (Herizo von "Tsiry") dann an die Hand nahmen, um sich auf
den weiten, beschwerlichen Weg nach Bethlehem zu machen, wurde vor Freude kräftig
gejohlt. Zum Schluss konnten sich auch die Hirten, Cesar Augustus und der Engel
Gabriel nicht mehr halten und haben zu Madonnas "Like A Prayer" Jesus'
Geburt gefeiert. Zum dritten und letzten Mal tanzten gegen Ende die "Vony"-
Mädchen: Shakiras "Whenever, Wherever" nach einer Choreographie
von Pamela und Nepomuk. Im Anschluss zeigten die "Tsiry"- und "Vony"-
Mädchen, was sie in den letzten Monaten mit Miarintsoa und Pamela im Chor
gelernt haben. Im Programm waren über 10 madagassische, französische
und deutsche Weihnachtslieder.
Das endgültige Ende brachte dann das, worauf alle gewartet hatten: Die Geschenke.
Vier 50 kg-Reissäcke und ein Fernsehkarton waren voll gestopft mit Geschenken.
Jeder der 170 Kinder erhielt vom schwitzenden Weihnachtsmann einen Beutel mit
einem für ihn speziell aus unserem Fundus ausgesuchten Kleidungsstück,
je nach Alter Spielzeug oder Kartenspiele und natürlich Kekse und süße
Steine (Vatomamy), wie die Bonbons in Madagaskar heißen.
Alle Kinder, bis auf wenige Ausnahmen, haben sich über ihre Kleider sehr
gefreut und sie natürlich auch angehabt, als sie heute, am Sonntag, noch
mal kurz zu "Manda" gekommen sind. Doda, ein "Felana"- Junge,
war leider nicht so glücklich über sein Hemd, dass seiner Meinung nach
für Frauen gedacht ist. Dabei waren Angeline (Lehrerin) und ich uns ganz
sicher gewesen, dass ihm dieses tolle, bunt gemusterte Hemd bestimmt gefallen
würde. Pamela wollte das nicht glauben und war so fast erleichtert, als
sie ihn fragte, wie er denn sein Geschenk fände und er nur antwortete "ratsy
be" (ganz schlecht). Wir haben es ihm dann noch umgetauscht, so dass auch
der letzte zufrieden war...
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