Straßenkinder in Madagaskar
Die "Eroberung" Madagaskars durch die Europäer,
die Einführung von Geld- und Marktwirtschaft in der französischen
Kolonialzeit und die damit einhergehende Zerstörung ursprünglicher
Lebensformen sind die Ursache für vielfältige Probleme in der
heutigen Zeit.
Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern dieser Erde und leidet
an den Folgen eines überaus ungerechten Weltwirtschaftshandels. Die steigende
Breitenarmut, die ökonomische und ökologische Zerstörung sowie
das rasante Bevölkerungswachstum begünstigen den Verfall traditioneller
Strukturen - eine große Landflucht hat eingesetzt.
In den großen Städten bringt die Verelendung großer Bevölkerungsschichten
viele Familien zum Zusammenbruch. Die Zerrüttung und der Wertewandel in
der Stadtfamilie führen oft zur Verwahrlosung der Kinder, welche nun Halt
und Liebe bei Gleichaltrigen auf der Straße suchen.
Zunehmende Gewalt und ständiger Hunger treibt die Kinder, nach anfänglichem
Pendeln zwischen Familie und Straße, schließlich endgültig zum
Straßenleben. Sie organisieren sich zumeist in kleinen Gruppen von 5 bis
20 Kindern innerhalb eines fest abgesteckten Reviers, welches hartnäckig
verteidigt wird.
Durch Bettelei, sammeln und sortieren von Müll, kleinen Diebstählen
und niedrigste Lohnarbeiten versuchen die Kinder zu überleben. Es mangelt
ihnen an jeglichen emotionalen, geistigen und seelischen Kontakten zu Erwachsenen.
Der einzige soziale Halt ist die Gruppe, in welcher eine fließende Hierarchie
zwischen Gewalt und Solidarität herrscht.
Die Kinder haben keinerlei Besitz, sie tragen völlig zerlumpte Kleidung
und schlafen an ständig wechselnden Plätzen unter freiem Himmel. Man
findet sie in Pappkartons, Erdlöchern, vor Toreinfahrten u.ä.; in den
bis zu null Grad kalten Nächten, notdürftig von Folienresten bedeckt.
Die Straßenkinder leiden durch die mangelnde Hygiene an vielen Krankheiten,
wie z.B. Krätze, TBC, Malaria, Bronchitis sowie an Wurm- und Parasitenbefall.
Die
Lebensweise, die optische Erscheinung und die Situation der Kinder
werden von der Gesellschaft nicht toleriert. Sie gelten als arbeitsscheu,
kriminell und verdorben, seien vor allem selbst Schuld an ihrem
eigenen Schicksal.
Je länger diese menschenunwürdige Lebensphase anhält, desto mehr
verlieren die Kinder den Bezug zu gesellschaftlichen Normen, ihre Psyche verändert
sich, die Kriminalitätsrate steigt und der Drogenkonsum nimmt zu. |